Implantat statt Kastration
22.08.08 (Allgemein)
GEBURTENKONTROLLE BEI HUNDEN
Implantat soll Kastration ersparen
Ein kleines Verhütungsimplantat für Rüden ist in Europa zugelassen worden. Es wird zwischen den Schulterblättern eingesetzt und unterdrückt die Produktion von Spermien. Tierärzte warnen jedoch vor möglichen, bislang wenig untersuchten Langzeitfolgen.
London - Der Hersteller des Implantats für männliche Hunde ist naturgemäß voll des Lobes für sein Produkt. Gleich sechs gewichtige Vorteile nennt das australische Biotech-Unternehmen auf seiner Webseite. So sei die Unfruchtbarkeit reversibel, so dass der Rüde nach Ablauf der sechs Monate problemlos wieder für die Zucht eingesetzt werden könne. Auch sei für das Einsetzen des Implantats lediglich ein winziger Eingriff nötig, für den keine Narkose benötigt wird. Bisher seien außerdem keine Nebenwirkungen beobachtet worden. Zudem verliere der Hund aggressive Verhaltensweisen, weil das Implantat auch die Testosteronproduktion hemme.
Das Mittel namens Suprelorin ist in Europa auf den Markt gekommen. Der Wirkstoff des Implantats setzt an der Hypophyse, der Hirnanhangdrüse, an. Dort stimuliert er Andockstellen für ein Hormon namens GnRH so stark, dass sie auf die körpereigenen Hormonspiegel nicht mehr reagieren. Die Folge: Die Botenstoffe, die normalerweise den Befehl für die Produktion von Spermien oder die Bildung des Geschlechtshormons Testosteron übermitteln, werden nicht freigesetzt, so dass der Körper weder Keimzellen noch das Hormon bilden kann.
Wissenschaftler geben allerdings zu bedenken, dass es noch keine Erfahrungen beim längerfristigen Gebrauch solcher Mittel gebe. Auf Dauer könnte es, ähnlich wie bei den oralen Varianten, die es bereits seit Jahren gibt, zu Komplikationen wie beispielsweise Tumorerkrankungen oder Infektionen kommen, glaubt etwa David McDowell, Berater des britischen Tierschutzvereins Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals.
Das Mittel ist in Australien und Neuseeland schon seit einigen Jahren auf dem Markt.
In Zukunft will der Hersteller ähnliche Präparate auch für Katzen und weibliche Hunde entwickeln, berichtet der “New Scientist”. Auch der Einsatz bei anderen Tierarten, etwa in Zoos für die Geburtenkontrolle, werde derzeit geprüft. Seit kurzem ist in Australien außerdem ein Implantat erhältlich, dessen Wirkung zwölf statt der bisherigen sechs Monate anhält.
(Quelle: hda/ddp)
Kirsten Eichler
zertifizierte Tierpsychologin ATN, Schweiz
mailto: kirsten.eichler@canis-world.de
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